KOMET BENNETT (C/1969 Y1)

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GESCHICHTE DES KOMETEN BENNETT (C/1969 Y1)

"Aus der beleuchteten Küche heraus, deren Fenster nach Norden gingen, war an einem April-Abend 1970 ein senkrechter Lichtstrahl am Horizont über der Holtenauer Hochbrücke sichtbar. Ich dachte zunächst an einen Wolkenscheinwerfer. In einem kurzen Bericht der Kieler Nachrichten, die in der Küche lag, fanden wir einen Bericht über einen hellen Kometen, der am Abendhimmel sichtbar sein sollte. Im Feldstecher zeigte sich, das war der Komet!" (Rainer Kracht)

Komet Bennett (C/1969 Y1) wurde in der Nacht vom 28. auf den 29.12.1969 von dem südafrikanischen Astronomen John Caister Bennett (1914 - 1990) als ein diffuses, schweifloses Objekt 8. - 9. Größe entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt war er sowohl von der Erde als auch von der Sonne noch etwa 1.70 Astronomische Einheiten (AE) entfernt. Bahnberechnungen zeigten bald, dass er sich am 26.03.1970 - wenige Tage nach seiner Perihelpassage - der Erde bis auf knapp 0.7 AE nähern würde.
Bennett erwies sich - im Unterschied zu seinem bis heute viel berühmteren Nachfolger Kohoutek - als ein Komet, der hielt, was er versprach. Ab Anfang Februar 1970 entwickelte er einen kurzen Schweif, am 09.02.70 wurde er erstmals mit bloßem Auge gesichtet, Mitte März war er bereits heller als der Polarstern (2 mag). Ende März, als er in Mitteleuropa sichtbar wurde, erreichte er eine Helligkeit von 0.0 mag und entwickelte einen über 10 Grad langen Schweif. Anfang April dominierte er den Morgenhimmel mit einer Schweiflänge von rund 20 Grad. Ab etwa 10. April war er zirkumpolar, d.h. während der gesamten Nacht zu beobachten; allerdings fiel nun seine Helligkeit rasch ab; bis in den Mai 1970 hinein war er noch mit bloßem Auge sichtbar. Teleskopisch wurde er sogar bis Februar 1971 verfolgt.

Dass C/1969 Y1 als er am hellsten war, nur in der zweiten Nachthälfte beobachtet werden konnte, war wohl - wie einige Jahre später bei dem noch wesentlich helleren Kometen West - der Grund, dass er in der Öffentlichkeit nicht die ganz große Aufmerksamkeit fand. Trotzdem pilgerten z.B. in Berlin hunderte von Besuchern zu früher Morgenstunde in die Volkssternwarte. Immerhin war Bennett der siebthellste Komet des 20. Jahrhunderts, gleichauf mit Hyakutake (C/1996 B2). Vom Habitus her erinnert Bennett allerdings weniger an Hyakutake als an eine etwas schmächtige Ausgabe von Hale-Bopp (C/1995 O1). Bei C/1969 Y1 war vor allem der Staubschweif gut entwickelt. Sehr auffällig waren im Teleskop die spiraligen Jets, die von der Koma ausgingen. Die enorme Staubproduktion gab zu der Hypothese Anlass, das langperiodische Kometen die wesentliche Quelle des interplanetaren Staubs sind, welcher das Zodiakallicht hervorbringt.
Nach dem einige Monate zuvor erschienenen Tago-Sato-Kosaka (C/1969 T1) war Bennett der zweite Komet, welcher von erdumkreisenden Satelliten aus beobachtet wurde. Bei beiden Schweifsternen fand man im ultravioletten Licht (UV) eine äußere Wasserstoffkoma, welche sich über mehr als 10 Millionen Kilometer erstreckte. Vom Erdboden aus war diese von Experten bereits postulierte Struktur wegen der UV-absorbierenden Eigenschaften der Atmosphäre nicht nachweisbar gewesen.

Steckbrief des Kometen Bennett
Entdeckung: 28.12.1969
Perihel: 30.03.1970, 0.54 AE
Erdnähe: 25.03.1970, 0.69 AE
Neigung der Bahn zur Erdbahn: 90 Grad
Umlaufszeit um die Sonne: mindestens 300000 Jahre
Mit bloßem Auge sichtbar: 09.02. - 04.05.1970
Max. Helligkeit: 0.0 mag
Max. Schweiflänge: 20 Grad

Bahn des Kometen Bennett durch das innere Sonnensystem
Bahn des Kometen Bennett durch das innere Sonnensystem. Eingezeichnet ist seine Position am Tag der größten Erdnähe.
Er kreuzte die Erdbahnebene von Süd (in der Grafik unten) nach Nord.

FOTOS ZUR ENTWICKLUNG DES KOMETEN

Google Bildersuche: "Comet Bennett"

Gerhart Klaus: Foto vom 30.04.1970

Foto von Komet Bennett
Komet Bennett. Foto von David Darling.

Gary W. Kronk: C/1969 Y1 (Bennett)

Burkhard Leitner: C/1969 Y1 (Bennett)

Wikipedia: Comet Bennett

Rainer Kracht: Bennett 1969 Y1

Daniel Verschatse: The Jack Bennett Catalogue of Southern Hemisphere Objects

LITERATUR ZU KOMET BENNETT (C/1969 Y1)

Anonymus (1970): Komet Bennett; Sterne und Weltraum 1970 (9), 238-239.

Bertaud, Ch. (1970): Observations de la comète Bennett (1969i); L'Astronomie, 84, 361 - 374. (Artikel-Download, PDF (2.8 mb)

Bertaux, J. L.; Blamont, J. E. & Festou, M. (1973): Interpretation of Hydrogen Lyman-Alpha Observations of Comets Bennett and Encke; Astronomy and Astrophysics 25, 415-430. (Artikel-Download, PDF (321 kb)

Bester, M. J. (1970): Aufnahme des Kometen Bennett (1969i); Sterne und Weltraum 1970 (5), 125.

Beyer, M. (1972): Physische Beobachtungen von Kometen. XVII; Astronomische Nachrichten 293 (6), 241-257. (Artikel-Download, PDF (2.1 mb)

Burlaga, L.F., Rahe, J., Donn, B.D. & Neugebauer, M. (1973): Wechselwirkungen zwischen Sonnenwind und Komet Bennett; Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft 34, 162 - 165. (Artikel-Download, PDF (429 kb)

Diverse Bildautoren (1970): Fotos des Kometen Bennett. Sterne und Weltraum 9 (6), 156-157.

Hendrie, Michael J. (1999): Comet Bennett 1969i; J. Br. Astron. Assoc. 109 (1), 14-21. (Artikel-Download, PDF (1.0 mb)

Kowalec, Ch. (1970): Komet Bennett (1969i); VdS Nachrichtenblatt 19 (6), 66.

Leitmeier, Erwin (1970): Helligkeitsschätzungen am Kometen Bennett. Sterne und Weltraum 9 (7/8), 212.

Mädlow, E. (1970): Komet 1969i Bennett; VdS Nachrichtenblatt 19 (3), 30.

Meyer, Maik (2012): Große Kometen der letzten 50 Jahre; VdS Journal für Astronomie 42, 6-15.

Miller, Freeman D. (1992): The side-ray systems of Comet Bennett, 1970 March 7-18; Astronomical Journal 104 (3), 1207-1215. (Artikel-Download, PDF (561 kb)

Schmidt-Kaler, Th. (1970): Visuelle Beobachtungen des Kometen Bennett 1969i; Sterne und Weltraum 1970 (7/8), 200.

Wedel, B.; Völker, P.; Herrmann, J. & Brenske, H. B. (1970): Komet Bennett 1969i; VdS Nachrichtenblatt 19 (5), 50-54.