GROSSER SÜDKOMET (C/1947 X1)

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GESCHICHTE DES KOMETEN

"In the last month of 1947 there suddenly appeared, close to the setting sun, a truly great comet, the brightest to be observed since Halley's comet made its latest spectacular return to perihelion in 1910. So many people saw the new comet at the same time that no one observer could he credited with the discovery." (Isabel M. Lewis 1948)

Am Abend des 08.12.1947 beobachteten zahlreiche Menschen auf der Südhalbkugel ein grandioses Schauspiel. Wie aus dem Nichts stand plötzlich ein extrem heller Komet mit orange farbener Koma und einem 20 - 30 Grad langen, nach Süden gekrümmten Schweif in der Abenddämmerung. Angesichts der Flut von gleichzeitigen Entdeckungen erhielt der Komet keinen Namen, sondern ging als "Großer Südkomet" in die Annalen ein. Offenbar war er bereits am Abend des 7. Dezember von zwei Schiffen aus gesichtet worden. So eindrucksvoll das erste Auftreten dieses Schweifsterns war, so schnell war das Spektakel auch wieder vorbei; bereits am 13.12.47 war die Helligkeit von anfänglich wohl -2 mag auf 3 mag abgesunken, nach dem 25.12.47 war C/1947 X1 mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar. Bis zum 20.01.1948 konnte er noch teleskopisch verfolgt werden, bevor sein Winkelabstand zur Sonne erneut zu gering wurde.

Position des Großen Südkometen am Abend des 08.12.1947 bei Ende der nautischen Dämmerung von Kapstadt aus gesehen
Position des Großen Südkometen am Abend des 08.12.1947 bei Ende der nautischen Dämmerung von Kapstadt aus gesehen. Grafik erstellt mit Cartes du Ciel.

Die Nachricht von der eindrucksvollen Himmelserscheinung erreichte die Observatorien auf der Nordhalbkugel zwar bereits am 09.12.1947, jedoch waren die Meldungen, welche Tageszeitungen und Radioreporten entstammten, in den ersten Tagen so widersprüchlich, dass man sich über die weitere scheinbare Bahn des Kometen nicht im Klaren war. Für die Planung etwaiger Beobachtungen an den großen Sternwarten der Nordhemisphäre benötigte man aber zumindest eine halbwegs genaue Ephemeride. Wie sich dann herausstellte, wanderte der Komet tatsächlich nach Norden; ab dem 14.12.1947 wurde er im Süden der USA (McDonald Observatory, Texas) beobachtet, bei bereits stark gesunkener Helligkeit. Der seit Jahrzehnten erhoffte helle Komet war gekommen und bereitete den Astronomen in Folge seines plötzlichen Auftauchens und seiner zunächst südlichen Position doch nicht viel Freude. Immerhin gelang es erstmals, das Infrarot-Spektrum eines Schweifsterns aufzunehmen. Zudem wurde, beginnend mit dem 10.12.1947, eine Zweiteilung des Kerns beobachtet. Die dabei freigesetzten Staubmengen waren sehr wahrscheinlich auch für die anfänglich große Helligkeit des Objekts verantwortlich.

Bahnberechnungen zeigten, dass C/1947 X1 sein Perihel bereits am 02.12.1947 in einem Sonnenabstand von 0.11 AE passiert hatte. Vermutlich war er zu dieser Zeit -4 mag hell gewesen, hatte sich aber wie auch in den Wochen davor durch einen geringen Winkelabstand zur Sonne der Beobachtung entzogen. Anfang Oktober 1947 hatte er noch 90 Grad Abstand von der Sonne gehabt und hätte - bei einer vermuteten Helligkeit von etwa 10 mag - von der Nordhalbkugel aus entdeckt werden können. Dass er dennoch nicht gefunden wurde, liegt mit ziemlicher Sicherheit an der damals im Vergleich zu heute lückenhaften Himmelsüberwachung.

Die Helligkeit von C/1947 X1 am Tag seiner Entdeckung ist schwer einzuschätzen; in der Literatur wird sie mit -2 mag angegeben. Seargent (2009, S. 237) berichtet jedoch von einer Beobachtung am 08.12.1947 aus Victoria. Der Komet wurde noch vor Sonnenuntergang am Taghimmel entdeckt und von dem ehemaligen Astronomielehrer Harold S. Pallot deutlich heller eingeschätzt als die Venus. Dies spricht für eine Helligkeit von mindestens -5mag und wäre vergleichbar mit Komet McNaught am 13.01.2007.

Steckbrief des Großen Südkometen
Entdeckung: 07.12.1947
Perihel: 02.12.1947, 0.11 AE
Erdnähe: 07.12.1947, 0.85 AE
Neigung der Bahn zur Erdbahn: 138 Grad
Umlaufszeit um die Sonne: unbekannt
Mit bloßem Auge sichtbar: 07.12. - 25.12.1947
Max. Helligkeit: - 5 mag?
Max. Schweiflänge: 25 Grad

Bahn des Großen Südkometen durch das innere Sonnensystem
Bahn des Großen Südkometen durch das innere Sonnensystem. Eingezeichnet ist seine Position am 08.12.1947, als er von zahlreichen Beobachtern nahezu gleichzeitig entdeckt wurde. Aufgrund seiner Bahnlage konnte er von der Erde erst einige Tage nach seinem Perihel gesehen werden, als er weit genug östlich (links) von der Sonne stand und in der Abenddämmerung erschien.

FOTOS DES KOMETEN

Fotos vom 09. & 12.12.1947

The Great Comet of 1947

LITERATUR

Cunningham, Leland E. (1948): The bright Southern Comet, 1947n. Proceedings of the Astronomical Society of the Pacific 60, 27-36.

Johnson, E.L. (1948): Photografic Observations of Comet 1947n. Circular of the Union Observatory Johannesburg 107, 258.

Krause, Stefan (2014): Kometen des Südens. Sternzeit 2/2014, 88-91.

Merton, G. (1948): Comets. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 108, 124-130.

Seargent, David (2009): The Greatest Comets in History. 260 S., Springer Science & Business Media, New York.

Van Biesbroeck, G. (1948a): Comet Notes. Popular Astronomy 56, 114-116

Van Biesbroeck, G. (1948b): Comet Notes. Popular Astronomy 56, 164-165. (Mit Fotos des Kometen)

Van den Boos, W.H. Nuclei of Comet 1947n. Circular of the Union Observatory Johannesburg 107, 259.