FINSTERNISKOMET (C/1948 V1)

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GESCHICHTE DES KOMETEN

"There can be little doubt that the bright comet now reported seen in the southern morning sky is identical with the ohe seen during the eclipse of November 1." (Lourens & Russo 1948)

Am 01.11.1948 fand eine Totale Sonnenfinsternis statt, deren Zentralzone sich über Kenia erstreckte. Dieses Land war daher Ziel wissenschaftlicher Expeditionen. Während heutige Touristen zu solchen Himmelsereignissen reisen, um ein grandioses Naturschauspiel zu genießen, hatten die Wissenschaftler der 1940er Jahre vor allem ihre Instrumente im Blick. Doch denjenigen, die an jenem 1. November zumindest für einige Sekunden Zeit fanden, die "Schwarze Sonne" zu betrachten, bot sich ein Anblick wie aus einem Fantasy-Film. Unmittelbar neben der verfinsterten Sonne stand ein sehr heller Komet mit einem langen Schweif. Niemand hatte von seiner Existenz gewusst und bereits wenige Sekunden nach Ende der Totalität enzog sich die unwirkliche Erscheinung am wieder taghellen Himmel den Blicken. Das denkwürdige Ereignis wurde durch mindestens 4 Fotos, welche aus einem Flugzeug der Royal Airforce aufgenommen waren, dokumentiert. Doch abgesehen von einer Abbildung in Solc (1999) sind sie offenbar niemals veröffentlicht worden und gelten als verschollen. Die Helligkeit des Kometen wurde auf -2.5 mag geschätzt. Da sich ein einzelner Entdecker unter den zahlreichen Expeditionsteilnehmern schwerlich ermitteln ließ, erhielt der Schweifstern die Bezeichnung "Finsterniskomet". Es war übrigens der letzte Komet, welcher nicht nach einem oder mehreren Personen bzw. automatischen Programmen benannt wurde.

Am 07.11.1948 hatten viele Menschen auf der Südhalbkugel ein Deja Vu-Erlebnis. Genau 11 Monate nach dem Großen Südkometen erschien erneut wie aus dem Nichts ein heller Komet mit Orange gefärbter Koma und einem 20 Grad langen Schweif in der Dämmerung, diesmal allerdings am Morgenhimmel. Da sich die Nachricht von den Beobachtungen in Kenia noch nicht verbreitet hatte, war das Auftauchen des neuen Schweifsterns völlig überraschend. Dennoch bestand schon bald kein Zweifel mehr, dass es sich um das gleiche Objekt handelte, welches eine Woche zuvor während der Sonnenfinsternis gesehen worden war. Wie bei C/1947 X1 ließ auch bei C/1948 V1 die Helligkeit rasch nach, von etwa 1 mag am 07.11.48 auf 3.5 mag am 17.11.48. Mitte November wurde mit 30 Grad die maximale Schweiflänge festgestellt. Danach verlangsamte sich die Helligkeitsabnahme, sodass der Komet bis zum 20.12.1948 mit bloßem Auge beobachtet werden konnte. Bis Anfang April 1949 wurde er noch teleskopisch verfolgt.
Die Nachricht von den zahlreichen Sichtungen eines neuen Kometen erreichte die Nordhalbkugel - diesmal inklusive präziser Positionsdaten - bereits am 08.11.1948. Etwa zur gleichen Zeit trafen aber auch erst die Berichte von den Beobachtungen während der Sonnenfinsternis ein. Der Finsterniskomet konnte Mitte November 1948 relativ weit im Norden beobachtet werden. F. Lancaster Hiett sah ihn am 11. und 15.11.48 in West Virginia. Am 14.11.1948 konnte am McDonald Observatory in Texas ein Spektrum des Kometen gewonnen werden. Danach wanderte C/1948 V1 zunächst weiter nach Süden, bevor er sich nach Norden wendete. Erst zum Jahreswechsel kam er daher in Reichweite mitteleuropäischer Beobachter. Weil auch dieser Komet überraschend erschienen war und erst vor die Objektive der großen modernen Observatorien auf der Nordhalbkugel gelangte, als er bereits recht lichtschwach war, blieb die wissenschaftliche Ausbeute wie im Vorjahr recht bescheiden.

Position des Finsterniskometen am Morgen des 08.11.1948 bei Beginn der nautischen Dämmerung von Kapstadt aus gesehen
Position des Finsterniskometen am Morgen des 08.11.1948 bei Beginn der nautischen Dämmerung von Kapstadt aus gesehen. Grafik erstellt mit Cartes du Ciel.

Die Bahnberechnungen zeigten, dass C/1948 V1 sein Perihel bereits am 27.10.1948 in 0.14 AE von der Sonne passiert hatte. Vermutlich war er zu dieser Zeit noch heller als während der Sonnenfinsternis gewesen, hatte sich aber wie auch in den Wochen davor durch einen geringen Winkelabstand zur Sonne der Beobachtung entzogen. Die Parallelen zu C/1947 X1 sind erneut verblüffend. Die Bahnlage von C/1948 V1 war aber noch ungünstiger, sodass auch in den Monaten davor keine Möglichkeit bestanden hatte, ihn zu entdecken. Abgesehen vom glücklichen Zufall der Totalen Sonnenfinsternis bot der 07.11.1948 wohl die erste Chance ihn zu sichten. Jedoch stellte sich heraus, dass ihn der Pilot Frank McGann bereits am 04.11.48 in etwa 5000m Höhe über der Karibik beobachtet hatte, wobei er zweifelsohne von der viel besseren atmosphärischen Transparenz in Flughöhe profitiert hatte.
Möglicherweise waren jedoch nicht einmal die Sonnenfinsternis-Beobachter in Kenia die wirklichen Entdecker von C/1948 V1. Wie im Fall von C/1947 X1 ist es Seargent (2009, S. 237), welcher - in diesem Fall allerdings aus zweiter Hand - von einer Taghimmel-Beobachtung des Kometen in Australien Ende Oktober 1948 (vermutlich am 31.10.1948) berichtet. Details dazu lassen sich laut Seargent nicht mehr ermitteln. Sofern die Beobachtung jedoch authentisch ist, müsste der Finsterniskomet genau wie der Große Südkomet eine Helligkeit von mindestens -5 mag erreicht haben.

Steckbrief des Finsterniskometen
Entdeckung: 01.11.1948 (?)
Perihel: 27.10.1948, 0.14 AE
Erdnähe: 25.11.1948, 0.56 AE
Neigung der Bahn zur Erdbahn: 23 Grad
Umlaufszeit um die Sonne: unbekannt
Mit bloßem Auge sichtbar: 01.11. (?) - 20.12.1948
Max. Helligkeit: -5 mag (?)
Max. Schweiflänge: 30 Grad

Bahn des Finsterniskometen durch das innere Sonnensystem
Bahn des Finsterniskometen durch das innere Sonnensystem. Eingezeichnet ist seine Position am 07.11.1948, als er von zahlreichen Beobachtern nahezu gleichzeitig "entdeckt" wurde. Aufgrund seiner Bahnlage konnte er - abgesehen von der Totalen Sonnenfinsternis - erst über eine Woche nach seinem Perihel gesehen werden, als er weit genug westlich (rechts) der Sonne stand und in der Abenddämmerung erschien.

FOTOS DES KOMETEN

Charles F. Capen: Zeichnung vom 10.11.1948

Es geschah vor 65 Jahren: Mysterium um die Luft-Aufnahmen des letzten "Finsterniskometen"

Sketching at the telescope: Charles F. Capen’s Eclipse Comet

The Gallery of Natural Phenomena

Cometa y eclipse

LITERATUR

Beyer, Max (1950): Physische Beobachtungen von Kometen. VII. Astronomische Nachrichten 278, 217-249.

Hendrie, Michael J. & Morris, Charles S. (1982): Photometric Parameters of Comets 1948-1954. Journal of the British Astronomical Association 93 (1), 1-6.

Hiett, Lancaster F.; Saladyga, Michael & Williams, Thomas R. (2008): Unpublished Observations of the Eclipse Comet, C/1948 V1. International Comet Quaterly 30, 140-141.

Hirst, W.P. (1948): The Orbit of comet 1948 L. Monthly Notes of the Astronomical Society of South Africa 7, 98-100.

Hirst, W.P. (1954): The definitive Orbit of the Eclipse Comet 1948 l. Monthly Notes of the Astronomical Society of South Africa 13, 31-41.

Johnson, E.L. (1949): Photografic Observations of Comet 1947 l. Circular of the Union Observatory Johannesburg 108, 308.

Jose, Paul D. (1949): The spectrum of Comet 1948 l. Astronomical Journal 1177, 130.

Krause, Stefan (2014): Kometen des Südens. Sternzeit 2/2014, 88-91.

Lourens, J.v.B & Russo, T.W. (1948): Observations of Comets 1948L and 1948M. Monthly Notes of the Astronomical Society of South Africa 7, 95-97.

Lourens, J.v.B & Russo, T.W. (1949a): Further Observations of Comet 1948 l. Monthly Notes of the Astronomical Society of South Africa 8, 16-17.

Lourens, J.v.B & Russo, T.W. (1949b): Further Observations of Comet 1948 l. Monthly Notes of the Astronomical Society of South Africa 8, 48-49.

Lourens, J.v.B & Russo, T.W. (1950): The Cape and Radcliffe Observations of the Eclipse Comet (1948 l). Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 110, 220-223.

Merton, G. (1948): Comet Notes. The Observatory 68, 238-240.

Merton, G. (1949): Comets. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 109, 248-257.

Seargent, David (2009): The Greatest Comets in History. 260 S., Springer Science & Business Media, New York.

Solc, M. (1999): A note on eclipse comets. Contrib. Astron. Obs. Skalnaté Pleso 28. 296-299.

Wilson, R.H. Jr. (1949): Observations of Comet 1948 l. Astronomical Journal 1178, 167.