KOMET WILSON-HUBBARD (C/1961 O1)

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GESCHICHTE DES KOMETEN

"0239 G.M.T. sky-trail visible. Aircraft position 24°30' N. 24° 00' E. Aicraft climbing from 34,00 ft. to 38,000 ft. Air hostess (Miss Anna Ras) drew crews attention to phenomenon in east - this was a vertical trail, topmost point approximately 15° above horizon." (Whitford 1961)

C/1961 O1 (Wilson-Hubbard) wird in einschlägigen Tabellen lediglich als Objekt der 3. Größenklasse geführt. Doch das wird diesem Kometen nicht gerecht, denn er entwickelte einen über 20 Grad langen und im vorderen Teil flächenhellen Schweif. Dieser führte auch zu seiner überraschenden Entdeckung. Stewart Wilson, Navigator eines PanAm-Fluges, entdeckte ihn am 23.07.1961 während eines Linienfluges von Honolulu (Hawaii) nach Portland (Oregon). Wie sich später herausstellte, hatte ihn die Stewardess Anna Ras bereits 9 Stunden früher auf einem SAA-Flug über der Sahara gesehen. Nach Wilsons Beobachtung gingen zahlreiche weitere Entdeckungsmeldungen ein, von denen mindestens drei weitere aus Flugzeugen erfolgten. Auf dem Erdboden wurde er u.a. am McDonald Observatory in Texas von dem Berufsastronomen William Hubbard gesichtet. Noch in den 1940er-Jahren hatten Kometen, die fast gleichzeitig von zahlreichen Personen entdeckt worden waren, lediglich informelle Bezeichnungen erhalten wie "Großer Südkomet" (C/1947 X1) oder "Finsterniskomet" (C/1948 V1). Mit dieser Tradition war erstmals bei dem hellen Kometen C/1957 P1 gebrochen worden, welcher nach Antonín Mrkos benannt wurde, obwohl mehrere Personen ihn bereits einige Tage vor dem tschechischen Kometenjäger beobachtet hatten. Bei C/1961 O1 wurden zunächst nur Stewart Wilson als Entdecker berücksichtigt, erst ab Herbst 1961 firmierte der Schweifstern aus nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gründen offiziell unter der Bezeichnung Wilson-Hubbard.
Die ersten Positionsbestimmungen des neuen Kometen waren recht ungenau, sodass seine Bahn erst im August berechnet werden konnte. Wie sich herausstellte, hatte er bereits 6 Tage vor seiner Entdeckung in nur 0.04 AE Entfernung von der Sonne sein Perihel passiert - Wilson-Hubbard war also ein "Sunskirter".

Am 25.07.1961 hatte der Schweif des Kometen eine Länge von 25° erreicht. Aufnahmen, die mit Filtern angefertigt wurden, belegten, dass es sich um einen Staubschweif handelte; zudem wurde ein 1.5 Grad langer Gegenschweif beobachtet. Während der Kopf des Kometen sehr unscheinbar war, konzentrierte sich die größte Helligkeit im vorderen Teil des nahezu geraden und recht schmalen Schweifes. Nach dem 25.07.61 gingen Helligkeit und Schweiflänge rasch zurück, da die Entfernungen sowohl von der Erde als auch von der Sonne rasch zunahmen; ab dem 9. August war Wilson-Hubbard mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar. Tatsächlich betrug seine absolute Helligkeit nur etwa 9 mag. Dass er dennoch für einige Tage eine eindrucksvolle Erscheinung bot, war allein seiner engen Sonnenpassage zu verdanken, welche kurzzeitig zur Freisetzung großer Staubmengen geführt hatte.

Steckbrief des Kometen Wilson-Hubbard
Entdeckung: 23.07.1961
Perihel: 17.07.1961, 0.04 AE
Erdnähe: 14.08.1961, 0.79 AE
Neigung der Bahn zur Erdbahn: 24 Grad
Umlaufzeit um die Sonne: unbekannt
Mit bloßem Auge sichtbar: 23.07. - 08.08.1961
Maximale Helligkeit: 3.0 mag
Maximale Schweiflänge: 25 Grad

Bahn des Kometen Wilson-Hubbard durch das innere Sonnensystem
Bahn des Kometen Wilson-Hubbard durch das innere Sonnensystem. Eingezeichnet ist seine Position am Tag der größten Erdnähe.
Aufgrund seiner Bahnlage konnte er von der Erde erst einige Tage nach seinem Perihel gesehen werden, als er Norden aus der Ekliptikebene hinausgewandert war.

FOTOS DES KOMETEN

Undatiertes Foto, wohl um den 25.07.1961

AstroPilot.info

LITERATUR

Beyer, Max (1963): Physische Beobachtungen von Kometen, XIII. Astronomische Nachrichten 287, 153-167.

Branham, Richard L. (1968): Orbit of Comet 1961 V (Wilson-Hubbard). The Astronomical Journal 73 (2), 97-98.

Branham, Richard L. (1985): A new Orbit of Comet 1961 V (Wilson-Hubbard). Celestial Mechanics 36, 365-373.

Erickson, W. C. & Brissenden, P. (1962): A Search for decametric Radiation from the Comet Wilson 1961d. Astrophysical Journal 136, 1138-1139.

Miller, Freeman D. (1961): Notes from Observatories on the Spectrum of Comet Wilson (1961 d). Proceedings of the Astronomical Society of the Pacific 73, 462-463.

Roemer, Elizabeth (1961): Comet Notes. Proceedings of the Astronomical Society of the Pacific 73, 364-366.

Whitford, D. J. (1961): Comet Stewart Wilson. Monthly Notes of the Astron. Soc. Southern Africa 20, 89.